Eine im Sommer 2016 veröffentlichte Studie bringt derzeit Schwangere und junge Mütter um den Schlaf: Die skandinavische Forschungsgruppe „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“ betrachtete 8000 Mutter-Kind-Paare zwischen 1991 und 1992 sowie 5 Jahre später im Hinblick auf mögliche Langzeitwirkungen von Paracetamol in der Schwangerschaft. Dabei äußerten die Forscher Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme des Schmerzmittels Paracetamol und dem verstärkten Auftreten von Aufmerksamkeitsstörungen wie beispielsweise ADHS.

Jedoch hinkt die Studie in vielerlei Hinsicht an Aussagekraft, in ihrer Herangehensweise und den hergestellten Zusammenhängen. Dein MamiWiki analysierte für dich gemeinsam mit Experten aus Pharmakologie, Medizin und Psychologie die zugrunde liegende Studie und erklärt sie dir einfach und verständlich.

„LÖST PARACETAMOL ADHS AUS?“

Was hinter der Paracetamol Studie wirklich steckt

Auf der ersten Blick betrachtet, sieht die Studie umfangreich aus: Rund 8000 Mutter-Kind-Paare nahmen daran 1991 und 1992 teil. Fünf Jahre später wurden eben diese Paare noch einmal per Fragebogen befragt, wie sich ihre Kinder entwickelt hätten.

Dabei treten bereits die ersten Probleme auf: Die Studie fragte weder nach wie viel, noch wie lange oder wie oft Paracetamol von den Schwangeren in ihrer Schwangerschaft eingenommen wurde. Auch der Grund der Einnahme bleibt unklar. Handelte es sich also um Höchstdosen oder eine gelegentliche Einnahme? Darauf gibt die Studie keine Antworten. Auch von anderen Umständen während der Schwangerschaft wird keine Notiz genommen. Dabei haben Faktoren wie das Alter der Mutter, der sozioökonomische Status, ob die werdende Mutter raucht oder Alkohol trinkt, der BMI sowie eine psychiatrische Vorgeschichte ebenfalls einen hohen Stellenwert für die Ausbildung einer Aufmerksamkeitsstörung.

Fünf Jahre später erhielten die Familien einen Fragebogen. Die Kinder selbst wurden nicht angesehen oder von fachkundigem Personal wie Kinderärzten oder Psychologen untersucht. Es kann somit nicht sicher geprüft werden, ob tatsächlich Störungen der Aufmerksamkeit vorlagen. Denn diese Entscheidung und das Stellen einer solchen Diagnose sollte fachkundigen Ärzten überlassen bleiben.

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Aufmerksamkeitsstörungen können vielerlei Ursachen haben.

Befremdlich ist ebenfalls, dass die Studie erst rund 20 Jahre nach ihrem Abschluss veröffentlicht wurde. In der Medizin stellen 20 Jahre einen immensen Zeitraum dar. Es gab keine weiteren Untersuchungen oder Nachfragen bezüglich der Entwicklung der betroffenen Kinder.

Das schlimme an mangelhaft aufgebauten Studien: Schwangere, die Paracetamol aufgrund von real existierenden Schmerzen eingenommen haben, fürchten nun unbegründet um die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes. Der dadurch verursachte Stress ist bei weitem schlimmer als die Auswirkungen des Schmerzmittels.

Fakten rund um Paracetamol (Acetaminophen)

Paracetamol ist eines der meist verbreiteten und frei verkäuflichen Medikamente gegen leichte bis mäßig starke Schmerzen und Fieber weltweit. Gerade in der Schwangerschaft handelt es sich bei dem Wirkstoff Acetaminophen um ein seit langem eingesetztes Schmerzmittel. Aus diesem Grund konnten schon lange und umfangreich Erfahrungen zum Einsatz dieses Medikaments in der Schwangerschaft gesammelt und ausgewertet werden.

Frei verkäuflich heißt nicht, dass Paracetamol keine Nebenwirkungen hat

Dass es sich bei diesem Präparat um ein frei verkäufliches Arzneimittel handelt, bedeutet jedoch nicht, dass es keine Nebenwirkungen besitzt oder diese zu vernachlässigen seien.

Embryotox: „Paracetamol ist kein  harmloses Lifestyle-Mittel.“

Eine der gefürchteten Nebenwirkungen ist die unwiderrufliche Schädigung der Leber bei zu hoher oder falscher Dosierung. Bereits Dosierungen über 4 g/Tag, sprich in der Regel 8 Tabletten á 500 mg pro Tag, können das Lebergewebe stark beschädigen.

Im schlimmsten Fall tritt eine akute, schwere Vergiftung und Leberversagen auf. Diese kann nur durch rasche Transplantation geheilt werden, denn ansonsten droht der Tod. Dies gilt nicht nur für den Zeitraum deiner Schwangerschaft.

Auswirkungen von Schmerzen und Fieber auf die Schwangerschaft

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Fieber und Schmerzen können unbehandelt die Schwangerschaft gefährden.

Schmerzmittel sollten prinzipiell nie unkritisch eingenommen werden. Dies gilt besonders in der Schwangerschaft. Hast du  tatsächlich Schmerzen und/oder Fieber, solltest du einen Arzt aufsuchen. Dieser kann häufig den Grund der Beschwerden finden sowie gezielt und mit den richtigen Medikamenten behandeln. In einigen Fällen lassen sich Schmerzen sogar ohne Arzneimittel therapieren.

Verordnet dir dein behandelnder Arzt ein Schmerzmittel, beispielsweise Paracetamol, möchte er damit die Auswirkungen von Schmerzen und hohem Fieber (> 38,4 Grad) auf deine Schwangerschaft mildern. Denn beides löst die Produktion von Stresshormonen und Botenstoffen aus, die deine Schwangerschaft gefährden können.

So wirkt Paracetamol:

Paracetamol wirkt schmerzstillend (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch). Das Medikament enthält den Wirkstoff Acetaminophen. Dieser gehört zu der Wirkgruppe der nicht opioid-haltigen Schmerzmittel (Analgetika).

Paracetamol wirkt im Gegensatz zu Wirkstoffen wie Ibuprofen nicht entzündungshemmend.

Die Nebenwirkungen von Paracetamol:

Paracetamol beeinträchtigt die Stoffwechselleistungen der Leber. Wird der Wirkstoff in zu hohen Dosen (mehr als 4000 mg/Tag) und über einen längeren Zeitraum eingenommen, kann es zu schweren Leberschäden kommen.

Paracetamol im 1. Drittel der Schwangerschaft (1. Trimenon):

Die Erfahrungen mit Paracetamol im ersten Drittel der Schwangerschaft sind groß. In den ersten Wochen bis zu Einnistung gilt die Alles-oder-nichts-Regel. Da dein Baby noch nicht an deinen Blutkreislauf angeschlossen ist, erreichen es auch nicht von dir eingenommene Medikamente. Sobald der Embryo an deiner Gebärmutter anhaftet und Blutverbindungen ausbildet, ändert sich dies jedoch.

Bisher weist nichts auf eine schädigende Wirkung von Paracetamol auf dein Baby oder deine Schwangerschaft hin. Früher einmal wurde der Verdacht auf eine den Embryo schädigende Wirkung, fachsprachlich Teratogenität, ausgesprochen, dieser konnte jedoch nicht bestätigt werden. In diesen Fällen handelte es sich meist um kombinierte Paracetamol-Präparate mit dem Pseudoephedrin, ein Bestandteil vieler die Symptome einer Erkältung oder Grippe abschwächender Mediakemente, wie z.B. Boxagrippal oder Grippostad.

Paracetamol im 2. und 3. Drittel der Schwangerschaft (2./3. Trimenon):

Auch in der verbleibenden Schwangerschaft sind die Erfahrungen mit Paracetamol bei Schwangeren hoch. Bisher konnte keine Studie wirklich Auswirkungen auf Neugborene und Spätfolgen beweisen.


Medizinische Fachquellen: Embryotox „Paracetamol“, Embryotox „Stellungnahme Paracetamol & ADHS“

Dieser Beitrag ersetzt weder einen Arztbesuch, noch stellt er eine Behandlungsempfehlung dar. Er dient lediglich der Information.

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