Zytomegalie

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    MamiWiki Stillen Zytomegalie

    Angeborenes Zytomegalievirus (konnatale CMV)

    Das Zytomegalivirus ist die weltweit am häufigsten angeborene Virusinfektion. Immerhin bis zu 2,5 Prozent aller weltweit geborenen Babys tragen das Virus in sich. Die meisten Erwachsenen haben sich bereits im Laufe ihres Lebens mit dem Zytomegalivirus angesteckt und sind lebenslang immun. Eine Ansteckung verläuft bei Erwachsenen und Kindern meist unbemerkt, da das Immunsystem die Krankheit schnell erkennt und Abwehrzellen bildet. Das Zytomegalievirus an sich gehört zu den Herpes-Viren und kommt sehr häufig vor. Am häufigsten stecken sich gesund geborene Babys über die Muttermilch bei ihren Müttern an. Diese Ansteckung verläuft ebenfalls unbemerkt, ohne Langzeitfolgen und die Kinder sind von nun an immun. Stillen schützt also vor der späteren, gefährlichen Infektion.

    Nur das Abwehrsystem eines ungeborenen Babys ist hingegen noch so schwach, dass es dem Virus nicht viel entgegen zu setzen hat. Es kommt zu schwerwiegenden Folgen.

    Manche Frauen sind jedoch vor ihrer Schwangerschaft noch nicht in den Kontakt mit dem Virus gekommen. Sie haben demnach keine Antikörper gegen das Virus. Doch nur die Antikörper können das Zytomegalievirus davon abhalten, zu deinem Baby zu gelangen. Aus diesem Grund empfiehlt sich, vor einer geplanten Schwangerschaft oder zu Beginn einer Schwangerschaft einen Bluttest auf das Zytomegalivirus beim Hausarzt oder Frauenarzt durchführen zu lassen. Diesen bezahlt bei Verdacht auf eine Ansteckung die Krankenkasse; eventuell entstehen ansonsten Kosten pro Test in Höhe von 12 bis 50 Euro. Dies solltest du vorab mit deinem Arzt besprechen.

    Woher weiß ich, ob das Zytomeglievirus mein Baby gefährdet?

    Gefährlich für dein Kind ist lediglich deine Erstinfektion in der Schwangerschaft. Also wenn du zuvor noch nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen bist. Denn in diesem Fall hast du keine Antikörper gegen das Virus, die es davon abhalten können, über die Plazenta zu deinem Baby zu gelangen.

    Studien gehen davon aus, das jede zweite Erstinfektion in der Schwangerschaft auf dein Baby übertragen wird. Besonders gefährlich ist eine Übertragung kurz nach der Befruchtung.

    Bist du negativ für das Zytomegalievirus beträgt das Risiko während einer Schwangerschaft erstmals zu erkranken ungefähr ein Prozent. Das tückische: Als Schwangere bemerkst du die Ansteckung nicht, da sie für dich keine direkten Folgen hat.

    Welche Auswirkung hat das Zytomegalivirus auf mein Baby?

    Eine Ansteckung im Mutterleib führt nur in 5-10 Prozent der Fälle zu tatsächlichen im Mutterleib oder direkt nach der Geburt auftretenden Symptomen. Die Mehrzahl verläuft ohne klinische Anzeichen einer Erkrankung. Jedoch entwickeln die auffällig infizierten Babys zu 90 Prozent Spätfolgen, 10 Prozent überleben eine Infektion nicht.

    Von den Kindern ohne Anzeichen einer Zytomegalieinfektion verstirbt nur ein Prozent und nur 5-15 Prozent der geborenen Kinder erleiden Spätfolgen.

    Das Virus greift das Gehirn an

    Das Zytomegalievirus greift das Gehirn deines ungeborenen Babys an. Es folgen Verkalkungen in der Hirnmasse, ein Wasserkopf (Hydozephalus), Blutungen ins Hirnwasser und ein verkleinerter Kopf (Mikrozephalus). Jede dieser Folgen ist kann auftreten, er muss es aber nicht.

    Im schlimmsten Fall kommt es zum so genannten Hydrops fetalis, einer Wassersucht des gesamten kleinen Körpers.

    Das Sehvermögen leidet

    Das Zytomegalivirus zieht auch die Augen in Mitleidenschaft: Durch das Virus entzündet sich der Glaskörper und die Netzhaut (Chorioretinitis). Durch die Entzündung kann sich der Glaskörper trüben und dies führt zu einem verminderten Sehvermögen.

    Dein Baby wächst nicht ausreichend

    Durch das Virus kommt es zu einer Wachstumsverzögerung im Mutterleib. Bei Messungen der Körpergröße ist es also deutlich kleiner als ein gesundes Baby.

    Weitere Folgen betreffen den Stoffwechsel

    Eventuell fällt dein Baby durch eine Gelbsucht beim Neugeborenen auf. Dem Stuhlgang fehlt die Galle und er sieht blass und gräulich aus. Zudem kann im Rahmen dieser Magen-Darm-Problematik sowohl Leber als auch Milz vergrößert sein. Durch die in ihrer Funktion eingeschränkten Leber fehlen eventuell auch Blutplättchen (Thrombozytopenie). Die vergrößerte Milz kann eine Blutarmut (Anämie) verursachen. Das Herz kann krankhaft vergrößert sein.

    Welche Spätfolgen treten beim Zytomegalivirus bei meinem Kind auf?

    Das Zytomegalievirus verursacht leider nicht nur für Neugeborene ernsthafte medizinische Probleme, sondern führt auch zu einigen, kritischen Spätfolgen. In diesem Umfang können auftreten:

    • Hörschäden
    • Sehschäden
    • geistiges Zurückbleiben (Retadierung) in Sprache und Bewegung
    • Lernschwäche und Intelligenzverlust
    • Zahndefekte

    Wie wird ein angeborenes Zytomegalivirus festgestellt?

    Die Veränderungen durch ein Zytomegalivirus fallen oft schon bei einer Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft auf. Alternativ kann kurz nach der Geburt mithilfe des schmerzlosen Ultraschalls nach Zeichen der Erkrankung gesucht werden.

    Mehren sich die Hinweise auf eine Ansteckung, empfiehlt dein Frauenarzt sehr wahrscheinlich eine Pränataldiagnostik. Das Virus kann bei einer Infektion im Mutterleib im Fruchtwasser nachgewiesen werden.

    Im Gegensatz zu gesunden Neugeborenen fällt ein Baby mit angeborener Zytomegalie durch eine kleine, unterentwickelte Körpergröße (Wachstumsretadierung) auf. Dies kann ein weiterer Hinweis auf eine Infektion sein.

    Gewissheit gibt ein Bluttest auf Zytomegalievirus. Andernfalls ist auch ein Nachweis im Urin des Neugeborenen möglich.

    Gibt es eine Behandlung gegen angeborene Zytomegalie?

    Medikamente mit starken Nebenwirkungen

    Liegt bei dir eine Erstinfektion vor und zeigt sich ein schwerer Verlauf beziehungsweise Auffälligkeiten bei deinem Baby nach der Geburt, gibt es experimentelle Therapien mit antiviralen Medikamenten (Ganciclovir). Diese haben in Deutschland jedoch keine Zulassung auf diesem Bereich, da ihre Wirksamkeit nicht sicher nachgewiesen ist. In kleinen Studien ergab sich, dass eine solche Therapie bei auffälligen Kindern das Risiko für schwere Hörschäden senkt oder Hörschäden zumindest mindert. Problematisch sind die starken Nebenwirkungen des Medikaments Ganciclovir. Im Tierversuch degenerierten die Hoden der Versuchstiere und beeinträchtigten das Knochenmark der Tiere.

    Die Zukunft – eine Therapie mit Spender Antikörpern in der Schwangerschaft

    Mediziner setzen Zytomegalie Antikörper von Blutspendern bereits zur Therapie von Zytomegalie Infektionen infolge von Immunschwäche oder Transplantationen ein. Dies könnte ein möglicher Behandlungsansatz auch in der Schwangerschaft werden. Denn die Spenderantikörper könnten das Virus am Übertritt auf das Baby hindern bzw. die Schwere der Erkrankung mindern. Diese Art passiver Immunisierung, eine Art Impfung gegen Zytomegalie, wurde bereits in einer kleinen Studie mit 107 infizierten Schwangeren getestet. Das Ergebnis: Frauen, die Spenderantikörper erhielten, gebaren wesentlich weniger kranke Kinder.


     

    Weiterführende Fachliteratur: Fachjournal „Frauenarzt“ Nr. 6 (2009) 

    Dieser Beitrag ersetzt weder einen Arztbesuch, noch stellt er eine Behandlungsempfehlung dar. Er dient lediglich der Information.  


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