Wunde Brustwarzen

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    Wunde Brustwarzen (Mamillen)

    Wunde Brustwarzen stellen gerade zu Beginn und während der Stillzeit (fachsprachlich Laktation) ein extrem häufiges Problem dar. Kurz nach der Geburt betrifft dies zwischen 34 und 96 Prozent aller Mütter. Leichte Schmerzen gelten gerade beim Milcheinschuss und am Anfang der Stillbeziehung als normal. Diese legen sich in der Regel von selbst und können ebenfalls durch die weiter unten folgenden Empfehlungen positiv beeinflusst und in ihrer Dauer deutlich verkürzt werden.

    Doch fast jede Stillenden berichtet von darüber hinaus reichenden Problemen: starke Schmerzen, Stillprobleme, Hautverletzungen, Blasen oder Wunden an den Brustwarzen. Spätestens wenn die Haut um deine Brustwarze herum oder die Brustwarze selbst Wunden aufweist, solltest du handeln und deine Brustwarzen behandeln. Denn durch die Wunden kann es zu weiterreichenden Infektionen der Brust und schwerwiegenderen Komplikationen wie beispielsweise eine Brustentzündung, fachsprachlich Mastitis pueperalis, oder einen Milchstau kommen. Wunde Brustwarzen an sich können mit oder ohne begleitende Infektion auftreten. Wunde Brustwarzen allein sprechen noch nicht für eine vorliegende Infektion, sind jedoch ein hoher Risikofaktor.

    Infiziert sich die geschädigte Brustwarze handelt es sich zumeist um Bakterien und Keime der umliegenden Hautflora. Diese können durch die Eintrittspforte einer wunden Brustwarze zu einer Entzündung der Brust führen. Am häufigsten handelt es sich um die Erreger Staphylococcus aureus sowie so genannten beta-hämolysierenden Streptokokken, seltener durch Hefepilze der Candida-Familie.

    Wunde Brustwarzen sind ein häufig angegebener und schmerzbedingt überaus verständlicher Grund dafür, warum Frauen auf das Stillen verzichten oder abstillen. Dabei gibt es effiziente und effektive Behandlungsmöglichkeiten.

    Dein MamiWiki stellt dir diese einfachen Möglichkeiten vor und erklärt dir, wie wunde Brustwarzen entstehen und was du dagegen tun kannst.

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    Wie erkenne ich wunde Brustwarzen?

    Charakteristisch für wunde Brustwarzen sind folgende Zeichen an deiner Brust:

    • Einrisse der Haut an der Brustwarze, genannt Fissuren
    • Hautabschürfungen
    • Zeichen einer beginnenden Entzündung wie:
      • Starke Schmerzen beim Ansaugen, wenn du dein Baby anlegst
      • Rötungen
      • Schwellungen, genannt Ödeme
      • Überwärmung 
    • Schorf an der Brustwarze
    • helle oder dunkle Flecke an der Brustwarze

    Liegt eine zusätzliche Infektion, häufig ausgelöst durch Bakterien vor, kannst du zum Teil eitrige, gelbliche Belege auf der Brustwarze erkennen. Bahnt sich eine Brustentzündung an, können Fieber und Unwohlsein hinzu treten.

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    Welche Ursachen haben wunde Brustwarzen?

    Eine der Hauptursachen für wunde Brustwarzen ist die Stilltechnik. Wird das Baby ungünstig angelegt, kommt es zu durch Reibung und Saugen bedingte Verletzungen der Brustwarze. Eine Stillberatung durch eine anerkannte Stillberaterin oder Hebamme oder durch eine Stillgruppe können hier Abhilfe schaffen.

    Wichtig ist eine gute Stillhaltung: Dein Baby sollte nicht nur die Brustwarze selbst, sondern zudem möglichst viel Warzenhof (Areola) mit seinem Mündchen umschließen. Hier gilt die Devise: Je mehr, desto besser.

    Es können sich jedoch auch andere Faktoren ungünstig auswirken: Beispielsweise wenn deine Brust durch den Milcheinschuss oder durch einen zu großen Abstand zwischen den Stillmahlzeiten stark geschwollen ist und die Brustwarze zu prall und straff ist, um sie gut zu erfassen. Dann kann es hilfreich sein, zuerst die Brust zu wärmen und ein wenig Milch aus der Brust zu massieren, bevor du dein Baby anlegst. So kann dein Kind die Brustwarze wieder besser erfassen.

    Am Anfang der Stillzeit, bevor die reife Frauenmilch vorhanden ist, führt zu häufiges und langes Anlegen zu einem drastisch erhöhten Unterdruck an der Brustwarze. Zudem ist die Brustwarze direkt nach der Geburt noch unelastischer und muss sich erst an die neue Herausforderung des Stillprozesses gewöhnen. Dieser Zusammenhang ist ein Hauptfaktor für wunde Brustwarzen in den ersten Tagen nach der Geburt. Bei sehr häufigem und intensivem Saugen deines Neugeborenen ist es hilfreich in den ersten Tagen bis zum Milcheinschuss, kleine Mengen (nur rund 5-10 Milliliter) an Säuglingsmilch oder Stutenmilch zuzufüttern, um die Stillabstände auf ein gutes und mit deiner Brust verträgliches Maß zu senken. Die von dir als gut und natürlich empfundenen Stillabstände sind individuell, es empfehlen sich Abstände von 2-4 Stunden. Nach diesem Zeitraum solltest du zur Förderung des Milcheinschusses und der Milchproduktion dein Kind rund 15 Minuten pro Seite anlegen. Selbstverständlich ist auch die Dauer der Stillmahlzeit individuell und sollte davon abhängen, was für dich und deine Brust als angenehm beziehungsweise tolerabel empfunden wird.

    Zusätzlich kann die Brustwarze verletzt werden, wenn du dein Baby abrupt von der Brust löst. Möchtest du dein saugendes Kind lösen, dann schiebe vorsichtig deinen sauberen, kleinen Finger an der Seite der Brustwarze in die Mundöffnung deines Babys, um den Unterdruck zu lösen. Nun kannst du dein Baby von der Brust nehmen ohne die Brustwarze zu beeinträchtigen.

    Bei größeren Babys und gestillten Kleinkindern können wunde Brustwarzen auch durch Bisse oder Kauen auf der Brustwarze verursacht werden. In diesem Fall empfiehlt es sich, dein Kind möglichst nicht durch eine Reaktion in seinem Verhalten zu verstärken, sondern es von der Brust zu nehmen und ihm deutlich „Nein“ zu sagen. Alternativ kann ein Beißring oder ähnliches angeboten werden.

    Ein feucht-warmes Klima an der Brustwarze ist ebenfalls ein geeigneter Nährboden für eine Infektion. Dazu zählen vor allem durchweichte Stilleinlagen oder Ankleben der Stilleinlagen an der Brustwarze. Ein häufiger Wechsel oder Lüften der Brustwarze an der offenen Luft wird empfohlen.

    Eine seltenere Ursache sind Veränderungen an Gaumen und Mund deines Babys, die zu einem gestörten Trinkverhalten und damit zu wunden Brustwarzen führen können. Beispiele sind eine Fehlhaltung der kindlichen Zunge oder Verkürzungen von Zungen- oder Lippenbändchen. Auch Asymetrien des Kiefers können zu Stillproblemen führen. Diese Veränderungen besprichst du am besten mit deinem zuständigen Kinderarzt.

    Weitere Gründe für ein schwierigeres Stillverhalten können Veränderungen deines Körpers sein: Beispielsweise sind Flach- und Hohlwarzen mit einer Häufung wunder Brustwarzen verbunden. Davon sind rund 7 bis 10 Prozent aller Frauen betroffen.

    Bei Flachwarzen ragen die Brustwarzen nicht über den Warzenhof hinaus, bei Hohlwarzen ziehen sie sich sogar tiefer als der Warzenhof in die Brust hinein.

    Wie erkenne ich, ob ich eine Flach- oder Hohlwarze habe?

    Bereits in der Schwangerschaft kannst du mit etwas Druck die Brustwarze massieren. In der Regel sollte sie sich spitz aufstellen und von der Brust weg ragen. Zieht sie sich eher flach oder sogar in die Brust hinein, handelt es sich um Flach- oder Hohlwarzen.

    Kann ich mit Flach- oder Hohlwarzen trotzdem stillen?

    Ja. Am besten informierst du dich jedoch vorab schon während der Schwangerschaft bei deiner Hebamme oder einer professionellen Stillberaterin. Es gibt verschiedenen Techniken, mit denen du natürlich stillen kannst. Alternativ können in diesem Fall Brusthütchen aus Silikon verwendet werden. Weitere Still-Tipps zu Flach- und Hohlwarzen findest du auch bei Multi-Mam.

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    Wie kann ich wunde Brustwarzen behandeln?

    Wunde Brustwarzen lassen sich gut behandeln. Wichtig ist – je schneller du nach den ersten Anzeichen wunder Brustwarzen Gegenmaßnahmen ergreifst, umso schneller und einfacher heilen diese wieder ab und du kannst schmerzfrei stillen. Dein MamiWiki erklärt dir hier, was du tun kannst.

    Suche Hilfe bezüglich der Stilltechnik bei deiner Hebamme oder Stillberaterin

    Die Stilltechnik ist wie oben beschrieben das A und O. Ungünstiges Anlegen sowie die Häufigkeit und Dauer des Stillens sind der Hauptgrund für wunde Brustwarzen. Lasse dir verschiedene Methoden des Anlegens von deiner Nachsorgehebamme oder einer Stillberaterin zeigen. Diese werden von deiner Krankenkasse bezahlt.

    Zeichen einer optimalen Stilltechnik sind:

    • der Mund deines Babys ist weit geöffnet
    • dein Baby umfasst viel Brustgewebe, Warzenhof und die Brustwarze
      • wenn nicht, dann vorsichtig mit dem Finger lösen und neu anlegen
    • die Nase deines Babys liegt beinahe auf der Haut deiner Brust auf
    • die Lippen deines Babys sind ähnlich einem Fischmaul nach außen gestülpt

    Weitere hilfreiche Maßnahmen beim Stillen sind:

    • vor dem Stillen die Brust durch warme Kompressen anwärmen, warm abduschen und/oder zur Warze hin massieren
    • wechselnde Stillpositionen, um die Brust in allen Bereichen zu entleeren
    • Verringerung der Stillfrequenz (max. alle 2h, mind. alle 4h) und/oder Stilldauer (optimal sind 15 min/Brust), eventuell Zufüttern mit Säuglingsmilch oder Stutenmilch
    • häufiger Wechsel der Stilleinlagen, wenn diese feucht sind:
      • beispielsweise Verwendung und Waschen von Wolle-Seide-Einlagen
      • Wegwerfeinlagen, z.B. von Lansinoh
    • nach dem Stillen und so häufig wie möglich Abtrocknen und Lüften der Brustwarze an der Luft
    • Verstreichen von einigen Tropfen Muttermilch nach dem Stillen auf der Brustwarze
    • und/oder Auftragen einer dünnen Schicht Lanolin auf der Brustwarze

    Es wurden in jüngster Vergangenheit einige Studien durchgeführt, welche die Wirksamkeit von Lanolin (Wollfett) gegenüber Muttermilch zur unterstützenden Behandlung wunder Brustwarzen untersucht haben. Dabei zeigten sich keine eindeutigen Hinweise darauf, dass eine unterstützende Behandlung die Dauer der wunden Brustwarzen verringert, jedoch von vielen Frauen als schmerzlindernd und angenehm empfunden wird. Wenn du also das Gefühl hast, dass es dir gut tut – es schadet auf jeden Fall nicht.

    Wichtig ist es vor allem vor dem Stillen darauf zu achten, die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Eine gute Händehygiene ist sinnvoll zur Bekämpfung drohender Infektionen wunder Brustwarzen. Unnötig und sogar schädlich sind hingegen die Verwendung von Desinfektionsmitteln, sowohl bei der Händehygiene als auch bei Desinfektionsmaßnahmen der Brust. Diese trocknen die Brust aus, schädigen die natürliche Hautflora und die Abwehrbarriere der Brustwarze und können in die Muttermilch übergehen. Häufig beinhalten Desinfektionsmittel zudem Alkohol.

    Auflagen und Salben zur Behandlung wunder Brustwarzen:

    Zur Behandlung wunder Brustwarzen können verschiedene Auflagen Linderung verschaffen. Jedoch gibt es dazu noch keine endgültig beweisenden Studien. Die klinische Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Form der Behandlung gute Abhilfe gegen die Beschwerden wunder Brustwarzen verschaffen kann. Allen voran sind feuchte Brustkompressen mit Hydrogel zu nennen, z.B. Multi-Mam-Kompressen. Die Inhaltsstoffe der Kompressen sind unschädlich für dein Baby und können prinzipiell non-stop aufgelegt werden. Die Multi-Mam-Kompressen gibt es rezeptfrei in jeder Apotheke und auf den meisten Wochenstationen.

    Kompressen aus Teebeuteln oder Wattepads mit warmem Wasser hingegen fördern das Austrocknen der Brustwarze und damit die Gefahr weiteren Einreissens. Zudem können Wattefasern auf der Brustwarze verbleiben und vom Baby eingeatmet oder verschluckt werden.

    Salben mit Vaseline oder Paraffinen, die auf die Brustwarze aufgetragen werden, solltest du ebenfalls meiden, da diese dein Baby mit mineralischen Inhaltsstoffen in der Milch belasten. Hinzu kommt, dass sie keinen erwiesenen Nutzen bergen oder den Heilungsprozess fördern.

    Brusthütchen oder Silikonauflagen für die Brust

    Aktuelle Studien wiesen nach, dass der Einsatz von Brusthütchen oder Silikonauflagen weder zu einer schnelleren Heilung noch zur Vermeidung erneuten Wundsaugens führt. Häufig kommt es durch fehlerhaftes Anlegen zu weiteren Schädigungen. Als wichtiger wird deutlich eine gute Stillberatung empfohlen. Einzig der Einsatz bei Flach- oder Hohlwarzen scheint sinnvoll.

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    Wie werden infizierte Brustwarzen behandelt?

    Wunde Brustwarzen bieten eine ideale Eintrittspforte für eventuelle Entzündungen und Infektionen. Ist die Brustwarze erste einmal infiziert, birgt dies ein hohes Risiko für eine nachfolgende Brustentzündung (Mastitis) dar.

    Hegst du den Verdacht, deine Brustwarze könnte sich entzündet haben, suche einen Arzt auf. Sinnvoll ist hier der Gang zu deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme. Handelt es sich tatsächlich um eine Infektion der Brustwarze, ist eine Behandlung mit Antibiotika sinnvoll. Dabei solltest du das Antibiotikum oral zu dir nehmen, also schlucken, da dies effektiver und besser wirkt als eine lokale antibiotische Anwendung wie beispielsweise eine Salbe. Studien haben gezeigt, dass durch die orale Anwendung von Antibiotika das Risiko einer Brustentzündung (Mastitis) deutlich geringer ist, als bei der Anwendung auf der Brustwarze.

    Vor Beginn der antibiotischen Therapie solltest du jedoch darauf achten, dass dein Arzt eine Probe von der Brustwarze und der Muttermilch abgestrichen hat. Diese kann im Labor auf vorhandene Keime untersucht werden. Daraufhin können Laborärzte eine Aussage treffen, ob das Antibiotikum, dass du einnimmst, das richtige für dich ist und vor allem, ob es tatsächlich wirkt. Nach Beginn der antibiotischen Therapie ist ein solcher Abstrich sinnlos, da diese das Ergebnis verfälschen kann oder der Nachweis des Erregers nicht mehr möglich ist.


    Dieser Beitrag ersetzt weder einen Arztbesuch, noch stellt er eine Behandlungsempfehlung dar.  Er dient lediglich der Information.  

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    Katrin Beranek
    Stolze Mutter dreier wundervoller Kinder und leidenschaftliche Ärztin. Vor meinem Medizinstudium war ich hauptberuflich als passionierte Journalistin tätig. Jetzt schreibe & recherchiere ich für euch im MamiWiki!