Eine Leserin berichtet über ihre Fehlgeburt:

„Nachdem die Blutung einsetzte, wusste ich, dass es das Ende war. Ich umschlag meinen Körper mit meinen Armen und wiegte ihn sanft. In mir unendliche Leere. Erst als meine große Tochter kam und fragte, was los sei, erwachte ich aus meiner Trance. Ich sagte ihr, dass ich ein Baby verloren hätte. Da brachte sie mir ihre Puppe und sagte: Hör auf zu weinen Mama, wir besorgen einfach ein Neues für dich.“

Eine Fehlgeburt ist ein solch einschneidender, verheerender Moment im Leben, der kaum in Worte zu fassen ist: das viel zu frühe Ende der Zeit der guten Hoffnung. Von einer Fehlgeburt (Abort) spricht man, wenn du dein Baby vor dem Ende der 24. Schwangerschaftswoche verlierst. Danach gilt es als Frühgeburt.

Eine Fehlgeburt reißt dort, wo neues Leben in dir wachsen sollte, ein Loch in deinen Körper. Ein Loch in dein Herz. Denn in das Herz einer Mutter zieht ein Baby nicht erst am Tag seiner Geburt. Sondern mit dem Gefühl, das ein kleiner Bewohner im Bauch heranreift. Es ist ein Versprechen, das nicht gehalten wird. Es ist Verlust, es ist Trauer.

„Warum trifft es gerade mich?

Warum mein Baby?“

Eine Fehlgeburt kommt in den meisten Fällen völlig unerwartet, plötzlich. Die Ereignisse reißen dich mit, du kannst es nicht kontrollieren. Viele Frauen erleben diesen Zustand wie eine Art Trance. Ist es vorbei, füllt die Leere die große Frage: „Warum hat es gerade mich getroffen? Warum mein Baby?“ Eine Frage, die nicht pauschal zu beantworten ist. Da viele junge Frauen heute ihre Schwangerschaft erst nach den ersten drei Monaten verkünden, stehen sie alleine da. Unverstanden in ihrer Trauer und Machtlosigkeit. Viele realisieren erst, wenn sie sich anderen öffnen und von ihrem Verlust berichten: Es geht vielen Frauen genauso wie mir. Nur sprechen die wenigsten offen darüber. Eine Fehlgeburt ist ein Tabuthema der heutigen Generation. Heutzutage glauben viele Frauen, dass es dank moderner Medizin und dem heutigen Lebensstandard so etwas gar nicht mehr gibt. Und erwachen erst beim Anblick des eigenen Verlust.

Viele schweigen über ihre Fehlgeburt aus Scham

Dabei trifft bei einer Fehlgeburt in den seltensten Fällen die Mutter die Schuld. Dennoch fühlen sich werdende Mütter schuldig. War es vielleicht das kleine Stückchen Salami, das ich heimlich genascht habe? Meine schlechten Gedanken? Zu viel Stress bei der Arbeit? Die Suche nach der Ursache kreist und nimmt kein Ende.

Wenn du mehr als drei Fehlgeburten erleidest

Ab drei oder mehr Fehlgeburten vor der 20. Schwangerschaftswoche spricht man medizinisch von wiederholtem Spontanabort. Damit bist du ganz und gar nicht allein. Immerhin berichten bis zu drei bis fünf Prozent aller Frauen mit Kinderwunsch davon.

Leider steigt das theoretisch berechnete Risiko, eine weitere Fehlgeburt zu erleben, mit jedem statt gehabten Abort und mit zunehmendem Alter. Das hängt einerseits damit zusammen, dass viele Fehlgeburten auf ein tatsächlich zugrunde liegendes Problem hindeuten können, das höher wiegt als der reine Zufall und zweitens, dass mit zunehmendem Alter die Qualität der Eizellen sinkt. Ein Beispiel dafür ist die Trisomie 21. Deutlich steigen vor allem seltene, nicht lebensfähige Trisomien, wie beispielsweise die Trisomie 16 oder Trisomie 22.

Die folgende Tabelle beruht auf einer Untersuchung (Nybo-Andersen et al) des Risikos weitere Fehlgeburten zu erleben, in Abhängigkeit der Anzahl vorausgegangener Fehlgeburten und dem Alter der Mutter.

Anzahl der Fehlgeburten

25-29 Jahre

30-34 Jahre

35-39 Jahre

40-44 Jahre

1

~15%

~16-18

~21-23

~40

2

~22-24

~23-26

~25-30

~40-44

≥3

~40-42

~38-40

~40-45

~60-65

Je früher die Fehlgeburt, desto wahrscheinlicher ist ein genetischer Grund

De facto ist die Wahrscheinlichkeit, dass deine Fehlgeburt durch eine genetische, meist spontane und zufällige Störung auftritt umso höher, je früher du deine Fehlgeburt erleidest.

Im Groß der Fälle endet eine Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt aufgrund von erblichen Störungen. Die Natur hat quasi einen Notstop eingebaut, wenn beim Wachstum etwas furchtbar schief läuft. Doch es gibt auch andere Ursachen. Vor allem bei gehäuften Fehlgeburten solltest du deinen Arzt oder deine Ärztin aufsuchen. Denn es können beispielsweise auch Störungen der Blutgerinnung, Hormonmangel oder eine Stoffwechselerkrankung dahinter stecken.

Krankenkassen zahlen ab drei Fehlgeburten eine genetische Beratung

Es scheint eine grauenvolle, willkürliche Zahl zu sein. Drei Fehlgeburten. Drei Mal Verlust. Doch erst nach wiederholten Fehlgeburten macht die gezielte Suche nach genetischen Ursachen wirklich Sinn. Warum? Vor allem  soll dich die Diagnostik nicht zusätzlich belasten, da eine Fehlgeburt wirklich sehr oft vorkommt.

Vor einer genetischen Diagnostik musst du und der Vater des Kinds schriftlich zustimmen, dass euer Erbgut untersucht wird. Möglich ist es auch, beispielsweise nach einer Ausschabung (Kürretage) nach einer Fehlgeburt, Proben deines Kindes untersuchen zu lassen. So erfährst du, ob die Genetik die Ursache für die Fehlgeburt darstellt.


Weiterführende Fachliteratur: AWMF Leitlinie Abort

Dieser Beitrag ersetzt weder einen Arztbesuch, noch stellt er eine Behandlungsempfehlung dar. Er dient lediglich der Information.  

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Katrin Beranek
Stolze Mutter dreier wundervoller Kinder und leidenschaftliche Ärztin. Vor meinem Medizinstudium war ich hauptberuflich als passionierte Journalistin tätig. Jetzt schreibe & recherchiere ich für euch im MamiWiki!

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