Für 2 von 1000 Frauen ist nicht die Geburt an sich die eigentliche Bewährungsprobe, sondern die Zeit kurz danach. Denn mehr und mehr frisch gebackene Mütter beginnen direkt oder kurz nach der Geburt ihres Babys zu bluten. Statt dein Baby in den Armen halten zu können, die erste Zeit gemeinsam zu kuscheln, herrschen Aufregung, manchmal Panik und betriebsame Hektik. Frisch gebackene Väter stehen dabei genauso fassungslos dieser oftmals unerwarteten Wendung entgegen: Sie müssen sofort als Vater eines Neugeborenen funktionieren, unabhängig von der Sorge um ihre Partnerin oder Frau. Das kleine Bündel halten und beruhigen, während alle anderen um das Leben der Entbundenen kämpfen. Und das während Väter der Gedanke umtreibt: Was ist, wenn ich jetzt allein bleibe mit unserem Baby?

2 VON 100 FRAUEN BLUTEN NACH DER GEBURT LEBENSBEDROHLICH

Doch wie kommt es soweit? Zu solch einer starken Blutung nach der Geburt? Mittlerweile leider keine Seltenheit mehr in Deutschland, sondern die bedrohliche, traurige Realität. Beruhigend, wenn sichere und schnelle Hilfe in unmittelbarer Nähe ist. Durchaus problematisch, wenn es sich um eine Geburt ausserhalb eines Krankenhauses handelt. Doch warum häufen sich in den vergangenen Jahren diese Ereignisse? Warum können mittlerweile viele Mütter davon berichten? Dein MamiWiki erklärt dir die Gründe für so genannte postpartale Blutungen, sprich Blutungen direkt oder kurz nach der Geburt deines Kindes.

Blutungen über 500 ml sollten umgehend abgeklärt werden

Bei einer völlig regelhaft verlaufenden Geburt kommt es immer zu einer leichten Blutung. Nämlich in dem Moment, wenn sich die Plazenta, der Mutterkuchen löst. An der Stelle, an der der Mutterkuchen an der Gebärmutter anheftet, bildet sich ein Bluterguss (Hämatom). Dieser schiebt den Mutterkuchen von der Gebärmutter ab.

Mit der Nachgeburt des Mutterkuchens kommt es in der Regel zu einer leichten bis mäßigen Blutung von rund einem Viertel bis maximal einem halben Liter. Dies ist völlig unbedenklich für eine gesunde Frau. Danach versiegt die Blutung wieder, wenn sich die Blutgefäße in der Wand deiner Gebärmutter verschließen.

Doch Blutungen über 500 Milliliter nach einer vaginalen Geburt beziehungsweise 1000 Milliliter nach einer Kaiserschnittentbindung sind hoch verdächtig und müssen sofort abgeklärt werden!

Die meisten schweren Blutungen treten in den ersten 24 Stunden nach der Geburt deines Kindes auf. Davon zwei Drittel bereits in den ersten 4 Stunden nach der Geburt.


Blutungen bereits während der Geburt stärker und häufiger als früher

Eine sichere Ursache für die deutlicher zutage tretenden Auswirkungen einer Blutung nach derbGeburt stellt der insgesamt steigende Blutverlust bereits während der Phase der Geburt dar. Wenn man unter dem Strich die Summe zieht, dann zählt für den eigenen Körper nicht nur der Blutverlust nach der Geburt, sondern eben auch der davor. Durch zunehmende Kaiserschnittentbindungen oder operative Eingriffe in den Geburtsprozess steigt der Blutverlust oft an.

Bei normalen Geburten verlierst du zwischen 250-500 Milliliter Blut


Was verursacht starke Nachblutungen nach der Geburt?

Es gibt einige Gründe, die hauptsächlich für starken Blutverlust nach der Geburt deines Kindes verantwortlich sein können. Dein MamiWiki erklärt dir diese hier kurz und bündig. Suchst du weiter reichende Informationen, findest du diese im Herzstück deines MamiWiki, den ausführlichen Wiki Artikeln.

Uterusatonie, die Wehenschwäche nach der Geburt deines Kindes

Von der fachsprachlich Uterusatonie (von Uterus = Gebärmutter und Atonie=Schwäche) genannten Schwäche der Gebärmutter, sich nach der Geburt deines Kindes erneut zusammen zu ziehen, droht die größte Gefahr. Vor allem während der ersten Minuten und Stunden nach der Geburt.

Die Gebärmutter ist ein großer Muskel. Dieser hat während der Geburt deines Kindes erstaunliche und enorm anstrengende Arbeit verrichtet, die Wehen. Nach der Geburt müssen jedoch die etwas schwächeren Nachwehen einsetzen. Diese bedingen, dass sich die Gebärmutter und damit die Blutgefäße zusammen ziehen und der Mutterkuchen geboren wird. Bleiben diese aus, drohen massive Blutungen.

Was kann ich tun, um Nachwehen zu fördern?

Deine Gebärmutter zieht sich auf den Reiz des körpereigenen Hormons Oxytocin hin zusammen. So entstehen die wichtigen Nachwehen.

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Stillen nach der Geburt schützt vor Nachblutungen.

Dein Körper schüttet selbst Oxytocin, das Bindungshormon aus, wenn dein Baby an deiner Brustwarze saugt. Diesen Saugreflex sollten du und dein Baby ausnutzen. Bitte deine Hebamme, dir beim Anlegen deines Neugeborenen direkt nach der Geburt zu helfen. Beginnt es zu saugen oder zu nuckeln, stößt du Oxytocin aus. Dies fördert die Stärke der Kontraktionen deiner Gebärmutter, beruhigt gleichzeitig dein Baby und bringt euch näher zusammen.

Was tun Ärzte und Hebammen, um Nachwehen zu fördern?

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann deine Hebamme die Gbärmutter leicht massieren. Hast du eine Akkupuntur erfahrende Hebamme vor Ort? Auch dies kann das Zusammenziehen fördern. Reicht das nicht aus, kann man dir ein großes Eispack auf den Bauch legen. Durch den Kältereiz zieht sich der Muskel deiner Gebärmutter automatisch zusammen.

Ist dies alles nicht ausreichen, kann dir dein behandelnder Arzt eine Infusion mit dem Hormon Oxytocin verabreichen. Dieses ist verdünnt in Flüssigkeit. In vielen Kliniken erhältst du eine geringere Dosis Oxytocin bereits unverdünnt über die Vene direkt nach der Geburt deines Kindes. Studien legten dar, dass durch diese meist unbemerkte Maßnahme die Rate an Nachblutungen um bis zu 70 Prozent verringert werden kann.

Sollte auch diese Maßnahme nicht die gewünschte Wirkung erzielen, gibt es Medikamente, die zu starken Kontraktionen führen. Das Medikament Cytotec ® enthält Prostaglandine, die Muskelkontraktionen bewirken. Es kann in Form von Tabletten im Mund oder im Enddarm eingesetzt werden.

Verletzungen des Geburtswegs, der Gebärmutter, Scheide oder Damm

Stärkere Verletzungen, Risse oder stark blutende Schürfungen können zum gesteigerten Blutverlust beitragen. Gerade schwierige Dammrisse oder Risse am Muttermund (Cervixriss) können stark und sogar arteriell, also hellrot sprudelnd bluten. Diese müssen und sollten schnellstmöglich nach der Geburt inspiziert und versorgt werden. In der Regel beurteilt deine Hebamme oder der anwesende Arzt direkt nach der Nachgeburt, ob Verletzungen des Geburtswegs vorliegen. Selbst Verletzungen der Gebärmutter an sich sind möglich, jedoch eher seltener.

Sind die Verletzungen größer, sollten sie umgehend genäht werden. Du musst davor keine zu große Angst haben. Die meisten verletzungsbedingten Blutungen sind meistens schnell und gut beherrschbar. Außerdem stehen gute Schmerzmittel und lokale Narkosemittel zur Verfügung.

Hast du eine Peridualanästhesie (PDA) ist dies in der Regel schmerzlos und ohne weitere Narkose möglich. Solltest du bislang keine oder andere Betäubungsmittel erhalten haben, wird lokal betäubt. Auch dann spürst du meistens nur wenig bis keine Schmerzen. Solltest du sehr sensibel sein, ist eine Naht mit zusätzlichen Narkosemitteln möglich, beispielsweise Lachgas. Handelt es sich um eine sehr umfangreiche Verletzung, ist eventuell eine kurze Narkose sinnvoll.

Reste des Mutterkuchens lösen sich nicht von der Gebärmutter

Verbleiben so genannte Plazentareste in der Gebärmutter kommt es ebenfalls zu anhaltenden Blutungen. Aus diesem Grund muss nach der Geburt immer und gründlich der Mutterkuchen auf seine Vollständigkeit begutachtet werden. Dies sollte nach Möglichkeit eine verständige Person mit entsprechender Ausbildung und Kenntnis durchführen, beispielsweise deine Hebamme oder dein Arzt. Im Zweifel ist ein zweiter Untersucher sinnvoll.

Fehlt ein Stück des Mutterkuchens ist es gut möglich, dass sich dieser nicht gelöst hat. Dann haftet es nach wie vor in deiner Gebärmutter an und verhindert, dass die Blutung stoppt. In diesem Fall sollte zu deiner eigenen Sicherheit eine kurze Ausschabung durchgeführt werden. Diese erfolgt in der Regel in einer kurzen Vollnarkose oder aber bei weiterhin liegender, funktionstüchtiger PDA.

Kleine Reste der Plazenta verlängern den roten Wochenfluss

Kleine Reste des Mutterkuchens können noch Wochen nach der Geburt zu anhaltendem roten bis hellrotem und verstärkten Wochenfluss führen. Solltest du dies bei dir beobachten, suche sicherheitshalber deinen Frauenarzt auf. Dieser kann per Ultraschall kontrollieren, ob sich noch Gewebereste in deiner Gebärmutter befinden.

Der gesamte Mutterkuchen (Plazenta) löst sich nicht nach der Geburt

In manchen Fällen wächst der Mutterkuchen nicht an der Gebärmutter entlang, sondern in diese hinein. Solche Störungen werden Plazentaimplantationsstörungen genannt. Das Risiko dafür steigt nach Operationen an der Gebärmutter, unter anderem nach Kaiserschnitten oder Myomoperationen. Diese zählen zu den Risikofaktoren dieser Veränderung.

Ein derart fest verwachsener Mutterkuchen löst sich nach der Geburt nicht so leicht wie üblich. Es kommt zu stärkeren Blutungen und bei Fehlen der Lösung nach spätestens 30 Minuten solltest du einen Arzt aufsuchen oder diesen hinzu ziehen.

Was kann meine Hebamme unterstützend zur Lösung des Mutterkuchens tun?

Eine Massage der Gebärmutter mit Aromaölen kann anregend wirken. Auch können Akkupunkturnadeln eingesetzt werden. Hilft dies nicht, tut manchmal eine so genannte Eisblase Wunder. Ein großes Kühlakku zwingt die Gebärmutter zum Ausstoß des Mutterkuchens.

Hast du eine PDA oder fällt es dir schwer, deine Harnblase nach der Geburt zu entleeren? Manchmal hilft es, diese zu leeren. Denn auch dies stimuliert die direkt an die Harnblase anliegende Gebärmutter. Deine Hebamme kann dir dabei helfen.

Was tun Ärzte, um den Mutterkuchen zu lösen?

Handelt es sich um eine weiterhin anhaftende Plazenta, kann dein Arzt dir das Hormon Oxytocin spritzen. Dieses führt zu einer starken Kontraktion der Gebärmutter. Es hilft laut aktuellen Studien keineswegs an der Nabelschnur zu ziehen oder gar zu reißen.

Hilft dies nicht, kann dein Frauenarzt vorsichtig mit der Hand in die Gebärmutterhöhle fahren und den Mutterkuchen lösen. Dieser Vorgang nennt sich manuelle Lösung. Du kannst in diesem Fall selbstverständlich Schmerzmittel erhalten. Keine Sorge, durch die Geburt ist der Geburtsweg noch derart geweitet, dass dieses Manöver möglich ist.

Erst wenn dieser Versuch scheitert, sollte der Mutterkuchen operativ in einer kurzen Narkose entfernt werden.

Blutgerinnungsstörungen vor und nach der Geburt

In machen Fällen kommt es zu Störungen der Blutgerinnung nach der Geburt. Einige davon trägst du unbemerkt bereits vor der Geburt in dir. Andere werden durch Schwangerschaftsbedingte Krankheiten, wie beispielsweise das so genannte HELLP-Syndrom oder eine Präeklampsie hervorgerufen.  Solltest du an einer bekannten Erkrankung in der Schwangerschaft leiden, wirst du besonders und auch in den Stunden bis Tagen nach der Geburt beobachtet.


Was tut mein Arzt gegen das Risiko von Blutungen?

In zahlreichen Untersuchungen zeigte sich: Wenn dir dein Arzt kurz vor oder nach dem Abschluss der Geburt deines Kindes eine Dosis des körpereigenen Hormons Oxytocin spritzt, verringert dies die Wahrscheinlichkeit einer starken Blutung um 50-70 Prozent. Das Hormon bewirkt eine wirkungsvolle Kontraktion, das starke Zusammenziehen der Gebärmutter und damit das Lösen des Mutterkuchens und das Stillen von Blutungen.

Oxytocin senkt das Risiko starker Blutung um bis zu 70%


Was kann ich tun, wenn ich Angst vor Blutungen habe?

Wichtig ist es, dass du dich in ein Geburtszentrum begibst, dem du vertraust. Du solltest deinem Frauenarzt und deiner Hebamme deine Ängste und Sorgen mitteilen. Diese können dir genau erläutern, was im Falle einer Blutung unternommen wird, um dir zu helfen.

Rechtzeitig die Eisenreserven des Körpers auffüllen

Gegen Ende deiner Schwangerschaft kommt es meistens zu einem Abfall an roten Blutkörperchen. Deine Eisenreserven sind erschöpft. Jetzt ist es sehr wichtig, diese wieder bis zur Geburt rechtzeitig aufzufüllen, denn die Blutbildung benötigt Zeit und geht nicht von heute auf morgen.

Ein guter Ausgangswert im Blutbild kann dein Leben retten. Dabei sollte der Wert des roten Blutfarbstoffs Hämoglobins mindestens 12 mg/dl betragen. Eisenpräparate erhältst du in deiner Apotheke. Diese gibt es in sehr unterschiedlichen Darreichungsformen, unter anderem als Saft oder Tabletten. Besonders schnelle Erfolge erzielst du mit dem bereits in Kapseln gelösten Eisen von FerroFolgamma ®.

Wenn du dir unsicher bist, wie gut deine Eisenversorgung aktuell ist, dann sieh in deinem Mutterpass nach. Auf der auffaltbaren Doppelseite mit den Tabellen siehst du den Wert in der mittleren Spalte. Dieser sollte mindestens über 12 liegen.

Hast du bereits einmal stark geblutet? Dann sag das deinem Arzt!

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Sprich mit deinem Arzt bei der Aufnahme über deine Sorgen.

Wichtig ist auch: Teile deinem Arzt oder deiner Hebamme mit, wenn du bereits bei einer Geburt stark geblutet hast. Hast du diesbezüglich einen Arztbrief oder Dokumente, die begründen, warum dies geschehen ist? Dann nimm auch diese zur nächsten Geburt mit.

Solche Blutungen können sich wiederholen. Wenn du dem dich behandelnden Team jedoch die Möglichkeit gibst, sich darauf vorzubereiten, ist es meist deutlich besser oder deine Sorge durch geeignete, frühzeitige präventive Gegenmaßnahmen unbegründet.

Manchmal hilft es auch, die eigne Mutter oder Schwestern nach ihrem Geburtsverlauf zu befragen. Die Neigung, beispielsweise zur Wehenschwäche oder Uterusatonie, tritt manchmal familiär gehäuft auf.

Fülle deine Flüssigkeitsreserven während der Geburt stetig auf

Abschließender MamiWiki Tipp für deine Geburt: Dein Körper ersetzt Blutverluste zuallererst durch Wasser, das sich bereits in deinem Körper befindet. Achte also stets darauf, ausreichend viel zu trinken, um deine Flüssigkeitsreserven gefüllt zu halten. So kann dein Körper  im Ernstfall schneller darauf zurück greifen.


Fachquelle: AWMF Leitlinie „Peripartale Blutungen, Diagnostik und Therapie“

Dieser Beitrag ersetzt weder einen Arztbesuch, noch stellt er eine Behandlungsempfehlung dar. Er dient lediglich der Information.

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